Sand-Grasnelke muss umziehen, bevor Geflüchtete einziehen

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UPDATE (am Ende des Beitrags)

Die Sand-Grasnelke steht auf der roten Liste der geschützten Pflanzen. Das ist schön und wichtig für sie, hat aber ungeahnte Auswirkungen:

Der Bau der Container-Unterkunft („Tempohome“) in Charlottenburg-Wilmersdorf am Olympiapark, deren Eröffnung für Dezember vorgesehen war, verschiebt sich deshalb auf 2017.

Wir sind bei Umzügen von Pflanzen relativ unerfahren. Da jedoch nach Aussage des Bezirks in diesem Jahr nichts mehr baulich passieren wird  und man dann mit Frost rechnen muss, scheint sich realistisch vor April dort nichts zu tun.

Lt. Morgenpost berichtet die Senatsverwaltung zusätzlich auch von seltenen Tieren auf dem Gelände. Auch diese müssen erst noch umziehen.

Neben allen grundsätzlich berechtigten Fragen des Artenschutzes trifft deren Auftreten den Bezirk nun doppelt hart:

Die grundsätzlich fertiggestellte Gemeinschaftsunterkunft an der Heerstrasse kann seit Mitte Juli nicht eröffnet werden. Hier betrifft der Artenschutz einen offenbar plötzlich entdeckten Zahnarzt im Gebäude, der einen Teil des EG belegt.

Abgesehen von diesem Hindernis ist auch hier die Berreiber-Vergabe noch nicht abgeschlossen. Nach dem neuesten inoffiziellen Stand erfolgt nun eine weitere Ausschreibungsrunde. Deshalb scheint auch der Oktober eher vorbei  zu ziehen als dass es bis dahin zu einer Eröffnung kommt.

Für den September steht ohnehin nur noch ein Turnhallen-Freizug an, der jedoch einen anderen Bezirk betrifft.

UPDATE:

Nun meldet sich auch das Bezirksamt zum Kampf um und für die Blume: Hauptgrund für die Verzögerungen sei, dass die Senatsverwaltung für Inneres und Sport dem Bezirk das Betreten des Grundstücks verweigert. Der Bezirk zitiert die Innenverwaltung:

‚Leider haben sich BIM / LaGeSo bis zum heutigen Tage weder zum von uns überarbeiteten Vertragsentwurf noch zu den im Entwurfstext fehlenden Angaben geäußert. Grundvoraussetzung für die Überlassung des ehemaligen Familienbades an das LaGeSo ist eine Einigung über den Umfang und die Konditionen der Nutzung. Bis zu dieser grundsätzlichen Einigung / bis zum Vertragsschluss können wir weitere Besichtigungen des Familienbades nicht ermöglichen. Ich muss den Termin deshalb absagen.‘

Das ist doch wunderbar für die Sand-Grasnelken, wenn man sie nicht betreten darf. Es zeigt aber vielmehr, dass man sich zwischen den Berliner Verwaltungen offenbar schlicht nicht darum schert, was mit diesem Grundstück passiert. Wenn bereits das Betreten eines landeseigenen Grundstücks von so unwichtigen formellen Voraussetzungen abhängig gemacht wird, dass zuerst der Vertrag zwischen BIM/LAF/Senatsverwaltung abgeschlossen wird, dann beschreibt dies gut die an vielen Stellen Berlins durchschimmernde „blühende“ Verwaltungslandschaft. Es ist also weder Tier noch Pflanze, sondern Verwaltungsgezauder und Spielereien, die den Bau behindern.

Grossartig… Wir trauen uns gar nicht, mal bei den anderen Bezirken nachzufragen, woran Verzögerungen bei anderen Standorten liegen könnten.

P.S.: Es ist die Sand-Grasnelke, nicht die Kollegin vom Strand. Wir haben das korrigiert.

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