Standard in Notunterkünften bleibt undefiniert

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Seit langem schon versuchen  wir die für NOT-Unterkünfte geltenden und vereinbarten Standards herauszufinden. Bisher haben wir immer nur die bekannte Aufstellung der Qualitätsstandards für Gemeinschaftsunterkünfte finden können, die auch oft als die für Notunterkünfte maßgebliche dargestellt wird.

In folgenden Beitrag der RBB-Abendschau geht es um Mängel bei der Unterbringung, konkret bei den beiden DRK-Unterkünften in der Ruschestr. und in Karlshorst.

Beitrag der Abendschau 29.01.16

Interessant ist dazu allerdings auch die Aussage bei 03:20 min.

Danach ist lt. Sozialverwaltung für Notunterkünfte noch kein Standard festgelegt. 

Mängel bei der Unterbringung sind leider ein immer stärker wahrzunehmendes Thema. Dazu kommen auch immer wieder Kommunikationsprobleme z.B. bei der Verlängerung von Kostenübernahmen, die dann auch dazu führen, daß Menschen auf der Straße stehen.

Mängel bei Unterkünften könnt Ihr uns gerne mitteilen. Wir haben eine ganz guten Überblick, was noch im Rahen ist und was einen wirklichen Mangel darstellt. Gemeinsam können wir dann auch an der Abstellung mitwirken.

Ein Gedanke zu „Standard in Notunterkünften bleibt undefiniert

  1. KÜs werden mittlerweile schnell und sauber per EMail abgearbeitet! KEINER muss wegen einer fehlenden KÜ auf die Strasse gesetzt werden, der Betreiber scheibt ans LAGeSo und bekommt 1-2 Tage später die KÜ rückwirkend oder ggf. eine Verlegung.
    Allerdings setzt das eine gewisse Buchhaltung voraus die nicht überall gegeben ist! Und genau da fängt auch eine Mängelliste an: Personal nicht ausgebildet oder informiert, keinen Internetzugang, EMails kommen nicht an, Briefe an Turnhallen werden zurückgesendet; Bewohner legen Nachweise und Änderungen nicht oder verspätet vor.
    Der zweite große Mangel zu dem die Betreiber genötigt werden ist die Dauer des Aufenthalts. Aus geplanten 3 Wochen Erstversorgung werden mittlerweile bis zu 7 Monate Aufenthalt. Dadurch werden an die Betreiber Anforderungen gestellt auf die sich kaum einer eingestellt hat. Dauerversorgung von Kranken, Schulbildung, Kindergarten, Wohnungs- und Arbeitssuche, 1-Euro Jobs Stellung, Hilfe bei Kontoeinrichtung, Sozialanträge usw. Neues Personal kann und wird nicht eingestellt weil keiner weiß, wie lange eine Unterkunft besteht und wie die Kosten gedeckt werden sollen. Wir sprechen ja nicht von einer Unterkunft, wo sollen bitte 200-400 ausgebildete Mitarbeiter herkommen, die bereit sind, ihren Job während der Probezeit wieder zu verlieren?
    Der nächste Punkt ist die Einrichtung der Unterkünfte: am ersten Tag war mit Hilfe von THW, Feuerwehr und fw. Helfern alles Toll. Neue Betten, jedes mit einer Matratze und einem Satz Bettzeug. Mittlerweile gehen die Betten kaputt, Matratzen sind verwohnt, Bettzeug ist verschmutzt und kann wegen fehlender Waschgelegenheit nicht gewaschen werden. Nahrungsreste verschmutzen die Böden, die Bewohner fangen an, sich ‚wohnlich‘ einzurichten und unterlaufen unter Duldung des lieben Friedens Willen jeglichen Feuerschutz. Die gestellten Einrichtungen waren auf 3 Wochen eingestellt – an 7 Monate hat keiner gedacht.
    Mit den Sozialgeldern kommt das nächste Problem auf die Unterkünfte zu: Die Gäste kaufen ein, die Lagerung von Klamotten und teilweise auch schon Haushaltsgegenständen (geht bei Steckdosen und Wasserkocher los) kostet nicht nur den nichtvorhandenen Platz in der Halle, erhöht zudem die Diebstahlgefahr. Schranke, abschließbare Safes o.ä. gibt es i.d.R. nicht und sind auch nicht in der ‚Grundausstattung‘ vorgesehen. Die Anschaffenskosten schießen für die Betreiber in den Himmel – Beispiel: Sichtschutzwände, kosten ca. 60-80 Euro pro Stück, pro Doppelbett werden ca. 8-10 benötigt macht in der Summe (kalk.) 70x9x100 = 63.000€ – Rabatte nicht mitgerechnet 😉 Bodenbelag ca. 15.000, 210 Schränke á 220€ ~ 46.000€ – ohne `Kleinkram`sind wir locker bei 120.000€ und benötigt wird das alles in ungefähr 50 Unterkünften in Berlin …. über Spenden ist das nicht mehr für alle zu stemmen!
    Weiter geht es über das Essen vom Caterer, das nach spätestens 6 Wochen laff wird, der Drang selbst zu kochen wird immer grösser, also müssten Küchen/Kochbereiche geschafft werden. Es kommen Babys zur Welt: Wickel- und Stillraum, Babybetten und Ausstattung fehlen, Kinder müssen beschäftigt werden, also Sportplätze, Spielplätze und wieder Mitarbeiter, Räume für Unterricht + Lehrer, Wäsche, Reinigung, Hygiene und noch vieles mehr wird derzeit von den NUKs ‚in irgendeiner Weise‘ gestemmt. Unterstützung durch Sportvereine, Rentner die einspringen, Berliner die Gäste tageweise aufnehmen, Firmen die Spenden, alles Lösungen auf die viele Stolz sind aber nicht, rein gar nichts mit einem ‚System‘ gemeinsam haben, nicht, wo Vater Staat auch nur einen cent mit investiert hätte sondern sich auf unbezahlte ‚Gutmenschen‘ verlässt! Als Dank bekommen diese dann Anzeigen weil sie irgendwelche Verwaltungs- oder Hygienevorschriften verletzt haben, Ordnungsamt verteilt Parktickets vor den NUKs weil es dort an Parkplätzen fehlt, BVG jagt durch die SBahnen um Schwarzfahrer auf dem Weg zum Lageso zu erwischen. Jedem das seine.
    Kurz: Wer Mängel sucht, wird Mängel finden! Alle NUKs in Berlin sind überlastet und überfordert. Es fehlt an klaren Zielsetzung und durchdachten Finanzierungen. Zu viel läuft über die Schiene: Wir schaffen das schon, irgendwie!
    LG Hanschi

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